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20.01.2012, WR, Schritt für Schritt nach vorne

Schritt für Schritt nach vorne

Lüdenscheid. Es war im Juni 2009, als der damalige Co-Trainer der Bundesliga-Lateinformation der TSG Lüdenscheid, Bernd Waldschmidt, den Rückzug aus der Elite-Klasse verkünden musste. Der Verein konnte die auswärtigen Spitzentänzer nicht mehr halten. Da auch eine zunächst angedachte Kooperation mit dem TC Rot-Weiß Silber Bochum scheiterte, versank der Formationssport binnen weniger Wochen in der Versenkung.

Jetzt, rund zweieinhalb Jahre später, scheint wieder ein zartes Pflänzchen zu wachsen. Für 2013 ist das Liga-Comeback geplant. Auf der tiefsten Ebene, der Landesliga, muss es los gehen, doch mittelfristig will die TSG wieder viel höher hinaus. Ober-, ja Regionalliga sind die Ziele.

„Die Vergangenheit war schön, aber die lassen wir jetzt hinter uns und packen es neu an“, sprüht auch TSG-Jugendwartin Kathryn Baum vor Tatendrang. Und finanziell abgesichert seien die neuen Planungen auch.

Mit Sergej Esau und Olga Woltschanskaja konnte der kleine Verein ein Trainerduo für gewinnen. Esau ist hier kein Unbekannter, war er doch 2008/2009 schon Mitglied der Bundesliga-Formation der TSG Lüdenscheid. Beim TSZ Velbert lernten sich der 21-Jährige und die ein Jahr ältere Olga Woltschanskaja kennen, sind seitdem ein Paar und wohnen in Dortmund. Auf Initiative von Bernd Waldschmidt entstand der Kontakt nach Lüdenscheid.

Noch steckt alles in den Kinderschuhen, aber Esau und Woltschanskaja sind mit Leib, Seele und jeder Menge Leidenschaft in ihrem Element.

Ihre hohe Motivation überträgt sich auch auf die Tänzerinnen und Tänzer, die in der kleinen Turnhalle Schöneck seit Herbst letzten Jahres zum Training zusammen kommen und hart arbeiten, um im nächsten Jahr möglichst gleich in die Oberliga durchzutanzen. Aus der ganzen Region kommen die Mitglieder der neuen Formation, Schwerpunkt Lüdenscheid, Lennetal und Neuenrade. Zurzeit sind es sieben Paare, zehn sollen es werden. Mit Werner Hartmann, Christian Boldt und Isabel Slavik sind drei ehemalige Erstliga-Tänzer dabei. Dazu kommen Ex-Mitglieder der B-Formation, aber das Gros sind blutige Anfänger oder – wie es im Fachjargon heißt – Spaziergänger. Und an deren Leistungsstand gilt es sich für die Trainer zu orientieren. „Die größte Schwierigkeit für uns ist, alle Tänzerinnen und Tänzer auf ein Niveau zu bringen“, erzählt Olga Woltschanskaja, die nach Stationen in Wiesbaden und Velbert nicht mehr aktiv tanzt. Aber die Studentin für Deutsch und Biologie in Wuppertal glaubt langfristig an den Erfolg: „Alle sind sehr motiviert, haben viel Spaß und sind voller Kraft. Aber es wird für alle ein Abenteuer und eine Herausforderung werden.“

Im wahren Sinne des Wortes geht es Schritt für Schritt nach vorne, stehen zunächst das Einstudieren der verschiedenen Schrittkombinationen im Vordergrund. Erst im Verlauf des Jahres gehen die Trainer über zu den Koordinaten, also dem Erlernen von Linien, Diagonalen und Bildern. Höchstschwierigkeiten werden noch nicht geprobt, weil sie nach den neuen Wettkampfregeln in der Landesliga auch nicht vorgesehen sind. Dabei wäre es ein Leichtes, sie zu trainieren, denn die eingekaufte Musik und Choreographie wurde bereits von einem Erstligisten „vertanzt“.

Lutz Großmann


 Westfälische Rundschau, 20.01.2012