07.11.2008, LN, TSG Lüdenscheid will in Bremen ins Große Finale

TSG Lüdenscheid will in Bremen ins Große Finale

Von Thomas Machatzke

LÜDENSCHEID o Die Zeit der harten Arbeit ist morgen vorbei: Auf den Tag acht Monate nach dem letzten Bundesliga-Turnier 07/08 in Ratingen betritt die TSG Lüdenscheid wieder das Parkett der Elite. Im Bremer AWD-Dome wartet die zweite Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft der Latein-Formationen auf das Team. Bereits heute reisen die Heiduk-Schützlinge nach Bremen, wo um 18 Uhr die Stellprobe für die TSG ansteht. Ernst wird es somit - genau genommen - bereits heute Abend.

"Unser Minimalziel ist das Große Finale mit der Tendenz "Schaun mer mal..."", sagt Bernd Waldschmidt. Der "Allrounder" im Trainerteam der TSG leitete nach dem Trainingslager noch drei Einheiten. Gestern Abend stand das Abschlusstraining unter Regie von Richard Erning auf dem Programm. Es ist eine gute Trainingswoche gewesen. Arbeitsintensiv, aber eben auch effektiv. Die TSG ist gut aufgestellt für Bremen.

Im Zentrum stand natürlich auch die letzte ausstehende Entscheidung - Werner Hartmann und Roberta Leo oder Pascal Ruben und Isabel Slawik als achtes Paar? Das war die Frage. Eine Alternative zu besitzen, darf ja durchaus als kleiner Luxus gewertet werden. Das Trainerteam entschied sich gegen beide Möglichkeiten und zauberte eine dritte aus dem Hut. Als achtes Paar werden nun das Küken der Formation, Roberta Leo (Jahrgang 1993), und der Senior, Pascal Ruben (1976), tanzen. Die sind nicht nur sehr verschieden alt, sondern auch sehr verschieden groß. "Die Partnerschaft wird etwas unbalanced aussehen", sagt Waldschmidt, "aber in Summe ist es für die Mannschaft besser. Es war die beste Lösung." Für Slawik und Hartmann bleibt somit erst einmal die Reservistenrolle.

Waldschmidt ist grundsätzlich optimistisch. "Das neue Thema Planets ist natürlich noch nicht so stabil wie die Rock-Choreographie", sagt er, ergänzt aber mit Blick auf die Zugänge Sergej Esau, Kristina Mertin und Ekaterina Leonova, "vom tänzerischen Potenzial her sollten wir auf dem Turnier selbst weniger Fehler machen. Das ist ein Faktor, der mich positiv stimmt."

Positiv denken derweil vor der Deutschen Meisterschaft eigentlich alle Teams. Es wird nicht geklagt. Auch das gehört in der Szene dazu. Fakt ist für die TSG, dass mit der neuen Gemeinschaft aus Aachen und Düsseldorf ein Gegner dabei ist, den die TSG im vergangenen Jahr stets deutlich distanziert hat. Drei Gegner stammen aus der 2. Bundesliga des Vorjahres. Nominell sind die Bergstädter somit vor dem Turnier die Nummer vier. Das würde ausreichen für das Große Finale. Wenn es dort gar Rang zwei würde, so dürfte der Vorstand schnell alle Hebel in Bewegung setzen und Hotelzimmer in Wien buchen, denn dort findet in 14 Tagen die Weltmeisterschaft statt.

Richard Erning, der Motivationskünstler im TSG-Trainerteam, bleibt vor den Titelkämpfen relativ gelassen. Erning ist so lange dabei, kennt das Säbelrasseln im Vorfeld nur zu gut. "Nach der Vorrunde", sagt er, "weiß ich, wer maßlos übertrieben hat." Dann haben die ersten Fakten gesprochen.

An Unterstützung wird es der Lüdenscheider Formation morgen im AWD-Dome kaum mangeln. Der Fanbus, der am Samstag um 10 Uhr vom Hellweg-Parkplatz aus startet, ist längst ausgebucht (54 Plätze). "Ich rechne mit rund 80 Lüdenscheider Fans in Bremen", sagt Hans-Jürgen Berndt, 2. Vorsitzender des Klubs. Und er rechnet auch ganz fest mit etwas Anderem: "Mit einem langen Turniertag", schmunzelt Berndt. Das Große Finale, das live im Fernsehen (NDR 3) übertragen wird, beginnt um 23.10 Uhr - dann will die TSG noch dabei sein. "Die Leistung stabilisiert sich von Tag zu Tag. Und die Leistung ist gut", sagt Berndt, "wir sind schon sehr hoffnungsfroh."

Zu den Unterstützern in Bremen werden mit Steffi Eggers, Britt Felske, die inzwischen in Bremen lebt, und Darinka Seufzer auch die drei Tänzerinnen aus dem Vorjahr zählen, die nicht mehr aktiv dabei sind. "Das alte Team ist fast komplett", freut sich Cheftrainerin Petra Heiduk. Einer aber fehlt: Maskottchen Robärto. "Der ist nach dem letzten Turnier spurlos verschwunden", sagt Heiduk verständnislos. Sie hatte bei der Präsentation erwartet, dass der Bär vielleicht bereits ins neue Astronauten-Kostüm für die Planets gesteckt worden wäre. Aber er war gar nicht da, einfach verschwunden. "Ich nehme jetzt einen kleinen Bären mit", sagt Heiduk, "ich würde das persönlich mal nicht als schlechtes Omen werten. Vielleicht eher als Neuanfang."


Lüdenscheider Nachrichten, 07.11.2008