05.11.2008, LN, Kristina Mertin will nach den Sternen greifen

Kristina Mertin will nach den Sternen greifen

Von Thomas Machatzke

LÜDENSCHEID o Ursprünglich hatte sie ja ganz andere Pläne gehabt. Das Abitur steht vor der Tür. "Deshalb wollte ich eigentlich eine Tanzpause einlegen", erzählt Kristina Mertin. Es ist Sonntagmittag. Die 18-jährige Dortmunderin hat gerade zweieineinhalb Trainingslager-Tage in den Knochen, aber das sieht man ihr nicht an. Sie wirkt nicht müde. Und auch die Tatsache, dass am nächsten Tag eine Biologie-Leistungskurs-Klausur auf sie wartet und ihre Mitschüler wahrscheinlich gerade über ihren Büchern sitzen, macht sie nicht nervös.

Kristina Mertin ist ein Glücksfall für die TSG Lüdenscheid. Mertin stammt aus der Trainingsgruppe von Dirk und Alla Bastert. Über die Technik-Trainer der TSG wurde der Kontakt geknüpft. Weil Mertin im Einzel pausiert, es aber doch nicht ganz lassen kann, hat sie sich für ein Formations-Engagement in Lüdenscheid entschieden. Sehr zur Freude ihrer neuen Cheftrainerin. "Das Mädchen ist der Hammer", sagt Petra Heiduk, "sie ist in der neuen Formation unsere beste Tänzerin."

Gelernt ist gelernt, könnte man nun feststellen. Mertin, die vor 15 Jahren aus Russland nach Deutschland kam, hat auch fern der Heimat die klassische Tanz-Ausbildung genossen. Mit sechs Jahren ging sie zum Ballett. "Ich wollte das unbedingt. Mädchen machen das doch in diesem Alter", erzählt sie. Als Elfjährige kam sie bereits zur Latein-Sparte. Sechs Jahre lang tanzte sie mit Paul Lorenz zusammen im Einzel. Sehr erfolgreich. "Unser größter Erfolg war der fünfte Platz bei den German Open über zehn Tänze", erzählt die S-Klasse-Tänzerin, die nun in Lüdenscheid mit ihrem bisherigen Partner Paul Lorenz und dessen neuer Einzelpartnerin, Ekaterina Leonova, im Team tanzt. Ihr Partner in der Formation ist allerdings nicht Lorenz, sondern Björn Wachsmuth.

Nach den Jahren im Einzel ist die Formation eine neue Herausforderung für Mertin. "Man benötigt mehr Kondition - im Einzel tanzt man ja nur eineinhalb Minuten am Stück", sagt sie, "und es gibt ganz andere Schwerpunkte - man konzentriert sich auf alle, ist nicht allein auf der Fläche. Man unterstützt sich, man will schließlich zusammen etwas schaffen."

Kristina Mertin macht dies trotz der harten Arbeit im Training viel Spaß. "Auch, weil die Mannschaft echt klasse ist", sagt sie. Nach der Schule will sie auch ihre Karriere im Einzel fortsetzen. Bis dahin aber gibt es andere Ziele. Natürlich ein gutes Abitur, aber vorweg eben auch ein gutes Abschneiden bei der Deutschen Meisterschaft am Samstag in Bremen. "Ich habe in der Formation ja nicht so viel Ahnung, lasse die Deutsche Meisterschaft auf mich zukommen", sagt Mertin, "wir bereiten uns darauf vor, Zweiter zu werden. Wir kämpfen dafür." Sie überlegt kurz. "Man geht ja nicht auf Turniere, um Letzter zu werden", sagt sie und lächelt, "wir tanzen doch die Planets - und wir greifen dabei nach den Sternen."


Lüdenscheider Nachrichten, 05.11.2008