08.10.2008, WR, Schwitzen für das Ziel Finalteilnahme

Schwitzen für das Ziel Finalteilnahme

Von Lutz Großmann

Petra Heiduk thronte wie eine Königin. Die Cheftrainerin der Bundesliga-Lateinformation der Tanz-Sport-Gemeinschaft Lüdenscheid wählte die Vogelperspektive, um den besten Blick auf das zu haben, was sich auf dem Parkett in der Sportschule in Bergisch-Gladbach abspielte.

Ihren Argusaugen entging nichts, und "am Boden" entdeckte auch Motivationstrainer Richard Erning jede noch so kleine Unsauberkeit bei den Durchgängen, die die Formation ungezählte Male tanzen musste. Hier ein Schrittfehler, da ein herunterhängender Arm, hier ein müdes statt ein strahlendes Lächeln, da eine schwache Synchronität - Trainingslager war angesagt, drei Tage lang und vier Wochen vor dem ersten großen Höhepunkt der Saison, den Deutschen Meisterschaften am 8. November in Bremen. Dort will die TSG im zweiten Erstliga-Jahr ins Finale kommen und etablierten Formationen wie Grün-Gold-Club Bremen B oder dem TSZ Velbert auf die Pelle rücken. "Dieses Ziel vertreten wir selbstbewusst auch nach außen", sagt zweiter Vorsitzender Hans-Jürgen Berndt.

Um genau dies zu verwirklichen, dient das erste von zwei Trainingslagern im DM-Vorfeld. In Bergisch-Gladbach rann in über 30 (!) Trainingsstunden der Schweiß. Und gleich am ersten Tag legte die geschundene Formation freiwillig nach, obwohl Heiduk den Trainingsfreitag eigentlich schon beendet hatte: Sie wollte und durfte noch mehrfach den gerade erst und selbst kreierten Einmarsch, die 60-Sekunden-Sequenz vor dem eigentlichen Wertungsprogramm, üben, weil sie einfach Spaß daran hatte.

Obwohl nicht nur Schweiß, sondern am Samstag auch die eine oder andere Frustrationsträne floss, zog Heiduk ein überaus positives Fazit des Intensivkurses: "Wir sind zum jetzigen Zeitpunkt viel weiter als vor einem Jahr. Ein Trainingslager ist deshalb wichtig, weil sich alle auf das Wesentliche fokussieren." Und in dieser Saison erhält es das Prädikat "besonders wertvoll", weil mit "Planets" eine im Vergleich zu "Rock" noch viel hochkarätigere Choreographie einstudiert werden muss. Probleme bereitet noch das "superschwierige" (O-Ton Heiduk) Roundabout. Es wurde deshalb bei den meisten Durchgängen gestrichen, "weil das Risiko einfach zu groß ist." Heiduk überlegt sogar, es abzuschwächen, falls es nicht optimal funktioniert.

Vom Stammteam fehlten nur Dennis Diebel, dessen Verbleib in der Formation inzwischen wieder sicher ist, und Neuzugang Christina Mertin. Mit Roberta Leo und Sergej Esau waren die beiden weiteren „Neuen” dabei, und auch der ausdrucksstärkste Tänzer war in seinem Element: Paul Lorenz kehrte rechtzeitig aus Russland zurück und hatte sogar noch einen Überraschungsgast dabei: Ekaterina Leonova ist neben Lorenz, Esau und Anna Riger der vierte russische Part in der TSG-Formation. Sie ist die künftige Partnerin von Lorenz im Einzel und füllt damit die einzige noch vakante Lücke in der 16-er-Mannschaft.

Tanzsport ist ihr Lebenselixier

Sie ist 21 Jahre jung, bildhübsch, und der Lateintanzsport ist ihr Lebenselixier: Ekaterina Leonova ist zweifellos die von Cheftrainerin Petra Heiduk erhoffte Verstärkung für die TSG-Bundesliga-Formation.

Noch gibt es Sprachbarrieren, denn die gebürtige Wolgograderin - daher stammt auch ihr künftiger Partner im Einzeltanz, Paul Lorenz - kann noch kein Wort Deutsch, nur wenig Englisch und sich daher bislang nur mit der russischen Fraktion fließend unterhalten. Doch das wird sich ändern, denn Leonova besucht eine Sprachenschule in Köln.

"Es sind alle verständnisvoll, und die Mannschaft hält zusammen", gab Leonova ihre ersten Eindrücke wieder. Als ausgebildete Balletttänzerin sind die Schrittkombinationen kein Problem, und auch die Choreographie hat sie schon verinnerlicht. "Das Konzept gefällt mit", sagte Leonova, die in der Formation an der Seite ihres Landsmannes Sergej Esau tanzen wird.


Westfälische Rundschau, 08.10.2008