15.10.2003 Weltmeister hilft TSG auf die Sprünge

Weltmeister hilft TSG auf die Sprünge

(ab) Die Atmosphäre ist locker, seine Bemerkungen wirken teils gar flapsig, doch in der Sache ist Oliver Wessel-Therhorn knallhart, verteilt Lob und bringt zugleich die Fehler auf den Punkt. Zum ersten Mal profitierte die Regionalliga-Lateinformation der Tanz-Sport-Gemeinschaft Lüdenscheid am Dienstagabend im Training vom immensen Fachwissen des Bundestrainers und früheren Weltklassetänzers.

Der Name hat in der Szene einen besonderen Klang, steht im Turnier- und Formationstanzsport für Erfolge pur. Titel bei Deutschen, Europa- und Weltmeisterschaften reihen sich in seiner sportlichen Vita wie Perlen an der Schnur, als Cheftrainer führte er den TD Tanzsportclub Düsseldorf Rot-Weiß bis zu seinem Ausscheiden im Frühjahr 2003 zu Weltgeltung.

"Jetzt bin ich freischaffender Berater und stelle mein Wissen zur Verfügung, wo es gebraucht wird", erläuterte der Neusser, im Hauptberuf Bundestrainer, am Dienstag. Und die TSG ist froh, von Wessel-Therhorn profitieren zu können. Schließlich lautet das große Ziel, in der neuen Saison den zuletzt knapp verpassten Aufstieg in die 2. Liga zu schaffen (WR berichtete bereits am Samstag).

Vorerst ist das Engagement auf zwei Abende beschränkt. "Vielleicht folgt noch ein dritter", meint TSG-Trainer Bernd Waldschmidt, ein langjähriger sportlicher Weggefährte: "Ich habe unter Oliver selbst trainiert, als ich noch im Einzel getanzt habe. Ich habe mit ihm meine erfolgreichste Zeit verbracht." Die beiden feilen gemeinsam an der neuen Choreografie "Colours". Alle Details sind noch geheim. Die Auswahl der Musik, die Abfolge der Elemente - all dies wird die TSG erst am 17. Januar 2004 anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens präsentieren.

Bis dahin wartet noch reichlich Arbeit im Detail, jeder Takt, jeder Schritt, jede Geste muss sitzen. Wessel-Therhorn weiß, worauf die Wertungsrichter achten. "Das soll eine feine Diagonale sein ?", blafft er die acht Männer auf dem Hallenparkett an: "Wenn das fein soll, was ist denn dann bei dir grob ? Hier unten sind das vielleicht zehn Zentimeter, aber für den Punktrichter da oben ist das wie ein Meter."


Westfälische Rundschau, 15.10.2003