26.05.2003 Enttäuschung, Wut und Selbstkritik

Enttäuschung, Wut und Selbstkritik

Tanzen: Latein-Formation der TSG Lüdenscheid verpasst trotz eines Klasse-Auftritts in Wesel den Zweitliga-Aufstieg. Casino Nürnberg siegt verdient. Umstrittenes Urteil pro TSG Bremerhaven B im Kampf um den zweiten Aufstiegsplatz


Der Augenblick der Enttäuschung: Die
Wertungsrichter sehen die Formation der
TSG Lüdenscheid nur auf Rang vier.

Von Thomas Machatzke

WESEL o Es war am Samstagabend gegen 22.10 Uhr, als die Enttäuschung des Momentes in der Niederrheinhalle zu Wesel die Oberhand gewann und den Stolz über eine ausgezeichnete Saison in den Hintergrund drängte. Die 2, die 5, die 3, die 3, die 4, die 3 und die 3 für die Tänzerinnen und Tänzer der TSG Lüdenscheid - das Urteil der Wertungsrichter. Buhrufe aus dem Publikum. Die eine oder andere Träne bei den Aktiven. Der Traum vom Aufstieg in die 2. Bundesliga war für die Latein-Formation aus der Bergstadt jäh geplatzt. Und während Trainer Bernd Waldschmidt noch akribisch die Zahlen der Konkurrenz notierte und rechnete, schauten traurige Lüdenscheider Augen zu, wie die sieben Wertungsrichter die Formationen der TSG RG Casino Nürnberg - mit Abstand beste Formation des Abends - und der

TSG Bremerhaven B in die 2. Bundesliga hievten. Die TSG belegte knapp geschlagen von der TSG Backnang nur den vierten Platz.

Es war ein irgendwie tragischer Abend gewesen für die Bergstädter. Tragisch deshalb, weil einem exzellenten Auftritt unter erschwerten Bedingungen ein Wechselbad der Gefühle gefolgt war. Ein Fan berichtete nachher, der Trainer habe den Seinen nach dem Endrundenauftritt in der Umkleidekabine bereits gratuliert. Das habe eigentlich für die 2. Bundesliga reichen müssen, habe es geheißen. Aber es reichte nicht. Und was nicht nur den Lüdenscheidern die Zornesröte ins Gesicht trieb, war die Tatsache, dass die Wertungsrichter Bremerhaven B auf Rang zwei gesehen hatten. So war sie schnell auf dem Tapet, die Rede vom Bonus für den klangvollen Namen und von einer von tanzsportlicher Interessen-Politik beeinflussten Entscheidung.

"Bremerhaven hätte nie und nimmer aufsteigen dürfen", zürnte Waldschmidt und ergänzte im Bezug auf die Vorrunde, "sie haben sämtliche Fehler gemacht, die man machen kann." Obwohl so mancher Bremerhaven schon nach der Vorrunde als Wackelkandidaten für den Endrundeneinzug gesehen hatte, entschieden die Wertungsrichter, dass statt zweier Teams lediglich der SC Weyhe für die A-Endrunde aussortiert wurde.

So nahm das Unheil aus Lüdenscheider Sicht seinen Lauf. Das Los bescherte der TSG den ungeliebten Startplatz eins für die Endrunde. Schlimmer noch: "Der Turnierleiter hat unseren Auftritt zerbombt", ärgerte sich Waldschmidt darüber, dass jener Herr, der pikanterweise aus Bremerhaven stammt, die Lüdenscheider zunächst zur avisierten Auftrittszeit zehn Minuten mit einer Verlosung hingehalten und dann - im tosenden Applaus über die TSG-Darbietung - eine überaus schroffe Moralpredigt zum Verhalten der Fans angestimmt hatte.

Am Auftritt selbst gab es keine Kritik. "Das war der beste Durchgang, den wir in der gesamten Saison getanzt haben", bilanzierte der TSG-Trainer, "wir hatten die größten Schwierigkeiten aller Teams im Programm. Ich bin der Meinung, dass wir damit Zweiter hätten werden müssen." Trotzdem wollte Waldschmidt nicht alles auf die Rahmenbedingungen geschoben wissen. "Wir hätten Zweiter werden können, aber wir waren eben nicht so gut, dass wir uns genügend bei den Wertungsrichtern für diese Platzierung aufgedrängt haben", bemerkte der enttäuschte Trainer, "wenn wir so gut getanzt hätten wie Nürnberg, wären die Wertungsrichter nicht an uns vorbeigekommen." Den Blick nach vorn gerichtet, ergänzte Waldschmidt: "Dann müssen wir im nächsten Jahr eben noch besser sein."

Der Endstand: 1. TSG RG Casino Nürnberg 1/1/1/1/3/1/1, 2. TSG Bremerhaven B 5/2/4/4/2/2/2, 3. TSG Backnang 3/3/2/2/1/4/4, 4. TSG Lüdenscheid 2/5/3/3/4/3/3, 5. TSC Salier Köln 4/4/5/5/5/5/5, 6. TSA im SC Weyhe (B-Endrunde)


Lüdenscheider Nachrichten, 26.05.2003